Auf dem Weg nach Dragon Hall

Roadmovie über zwei kleine Schwestern, die aus einem verwahrlosten Elternhaus weglaufen, um eine Zauberschule und damit eine bessere Zukunft für sich zu finden.

PI (10) und ihre kleine Schwester PAJA (5) leben in einem Elternhaus, in dem sie grob vernachlässigt werden. Für Pi scheint deshalb ein Besuch der Zauberschule Dragon Hall, von der ihr Lieblingsbuch berichtet, der einzige Weg in eine bessere Zukunft zu sein. Und siehe da: Ausgerechnet an ihrem zehnten Geburtstag erhält sie das Zeichen, das ihrem Buch zufolge die
Voraussetzung für die Aufnahme an der Zauberschule ist. Als die Situation zu Hause kurz darauf eskaliert, macht Pi sich auf den Weg, um Dragon Hall zu finden. Allerdings läuft ihr Paja hinterher, und obwohl das ihren Plan gefährdet, bringt Pi es nicht übers Herz, ihre kleine Schwester zu dem schlagenden Stiefvater und der labilen Mutter, die den Mädchen keine Hilfe
ist, zurückzuschicken.

Bald zeigt sich jedoch, dass den Mädchen gerade ihr Zusammenhalt und Pajas Glaube an die große Schwester die Stärke verleihen, die sie auf ihrer Reise ins Ungewisse benötigen. Mit Charme und Glück und vor allem mit Hilfe ihres
selbst gebastelten Zauberstabes überwinden die Mädchen mutig alle Hindernisse, die sich ihnen auf ihrer abenteuerlichen Reise in den Weg
stellen. Während Pi verbissen und mit großem Misstrauen allen Fremden gegenüber ihrem Ziel zustrebt, ist es oft gerade Pajas kindliche Naivität
und Offenheit, die den Mädchen weiterhelfen und sie Dinge erleben lassen, die tatsächlich irgendwie magisch wirken.

Doch je näher sie ihrem Ziel kommen, einem Turm in Erfurt, von dem sie ihrem Buch zufolge ein Drache an die Zauberschule holen wird, desto dringlicher stellt sich die Frage: Wird Pi ihre kleine Schwester, die das Mindestalter für die Zauberschule noch längst nicht erreicht hat, zurücklassen – oder wird sie ihren eigenen Traum aufs Spiel setzen, um Paja nicht zu gefährden?

Voller Hoffnung – und inzwischen auch von ihrem Stiefvater verfolgt – erreichen die beiden Mädchen den im Buch beschriebenen Turm in der fremden Stadt. Als der ersehnte Drache jedoch nach einer langen Nacht vergeblichen
Wartens gar nicht erscheint, zerbricht nicht nur der Traum von der Zauberschule. Auch Pis Geduld mit Paja hat ein Ende, denn insgeheim gibt
sie ihrer kleinen Schwester die Schuld für das Ausbleiben des Drachens und damit für das Misslingen ihres Vorhabens.

Ohne Ziel und auch ohne Glauben an sich selbst und die Magie, die ihnen bisher den Weg gewiesen hat, wird aus der Suche nach der Zauberschule
nun ein Kampf ums Überleben auf der Straße. Und erst als Paja nach einem Streit verschwindet, begreift Pi, was wirklich zählt: Wenn schon die Eltern versagt haben, darf Paja nicht auch noch das Vertrauen in ihre große Schwester verlieren.

In einem Wettlauf mit dem wütenden Stiefvater gelingt es Pi als erste bei Paja zu sein, die, von der Reise entkräftet, inzwischen in einem Krankenhaus liegt. Die Wiedervereinigung der beiden Geschwister bringt neue Magie hervor: Der kriminelle Stiefvater fällt der Polizei in die Hände, das Kinderheim, in das die beiden Mädchen gebracht werden, ähnelt auf phantastische Weise der Zauberschule Dragon Hall. Und mit den wieder gefundenen Resten von Pis zerbrochenem Zauberstab gelingt es den Mädchen am
Ende sogar, ihre Mutter zu sich zu holen.

Annette Herzog
  • Von Annette Herzog
  • Jahrgang 2007

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