Akademie für Kindermedien, Gruppenfoto 2010_11

Das war die Akademie für Kindermedien 2010/11

Einführungs- und Qualifizierungswoche

Bereits in der Einführungs- und Qualifizierungswoche erhalten die Teilnehmer medienübergreifende Perspektiven. In diesem Jahr hatten dort 20 Autoren die Möglichkeit, ihre Projektvorschläge in Einzelgesprächen mit der Studienleitung und den Mentoren aller drei Fachgebiete zu diskutieren. Ergänzende Seminare und Vorträge vermittelten einen Überblick über den aktuellen Stand und die gegenwärtigen Trends der audiovisuellen, digitalen und crossmedialen Kindermedien.

So informierte Studienleiterin und Geschäftsführerin der Deutschen Kindermedienstiftung GOLDENER SPATZ Margret Albers über das Angebot und die Nutzung des deutschen Kinderfernsehens sowie über die Bewertungskriterien der jungen Zuschauer. In einer anschließenden Gesprächsrunde stellten Frank Klasen (Leiter Kinderprogramm, Super RTL) und Kai-Roman Schöttle (Redakteur, KI.KA) die Programmstruktur der jeweiligen Sender vor.

Darüber hinaus diskutierte Studienleiter Greg Childs mit Axel von Maydell (Geschäftsführer Morgen Studios), Mario Fischer (Mitteldeutsche Medienförderung) und Ricarda Fuchs (Leiterin Onlineredaktion, KI.KA) Trends und Tendenzen im interaktiven und crossmedialen Bereich.

Auch die Mentoren der Akademie für Kindermedien gaben erste Einblicke in die einzelnen Bereiche der Akademie. John Chambers (ANIMATIONSSERIE) übte mit den Teilnehmern das Handwerk des Schreibens für Animationsserien, Nicole Kellerhals (SPIELFILM) fasste in ihrem Vortrag Definitionen sowie unterschiedliche Erzählformen des Kinderspielfilms zusammen und erläuterte den dramaturgischen Aufbau mittels einer Filmanalyse. Paul Tyler (INTERAKTIVE & CROSSMEDIALE INHALTE) veranschaulichte mit einem Simulationsspiel  die Grundlagen interaktiven Denkens.

Die gesamte Woche unterstreicht den interdisziplinären Ansatz der Akademie und dient als Horizonterweiterung.

Spartenübergreifende Vorträge aus dem Netzwerk der Akademie

In den darauf folgenden vier Workshopwochen der Akademie steht nicht nur die intensive Beschäftigung mit den einzelnen Projekten innerhalb der drei Fachgruppen im Vordergrund. Daneben vermittelt das Mentorenteam in Form von Vorträgen auch Disziplinen übergreifendes Wissen.

So erörterten Nicole Kellerhals (SPIELFILM) und John Chambers (ANIMATIONSSERIE) grundlegende Etappen einer Heldenreise und stellten die vielfältigen Möglichkeiten bei der Entwicklung von Charakteren dar. Zahlreiche Filmbeispiele und Filmanalysen veranschaulichten das theoretische Gerüst

Für den Bereich INTERAKTIVE & CROSSMEDIALE INHALTE gingen Paul Tyler, Mentor der gleichnamigen Gruppe und Nora Lämmermann, freie Dramaturgin sowie Junior Producerin bei der Bavaria Fernsehproduktion GmbH, der Frage nach: Wie kann ‚Storytelling‘ genutzt werden, um Interaktivität in Computerspielen einerseits herzustellen und andererseits zu kontrollieren? Am Beispiel des Action Adventure Games Assassin’s Creed analysierten und verdeutlichten sie, wie Spiele-Entwickler traditionelle Elemente des filmischen Erzählens aufgreifen, um innere Konflikte der Protagonisten für den Spieler selbst erlebbarer zu machen.

Darüber hinaus referierte Mario Giordano, Roman- und Drehbuchautor (u.a. Das Experiment) über die Imagination. Dabei bezog er sich auf das Werk Grammatik der Phantasie – Die Kunst, Geschichten zu erfinden des italienischen Kinderbuchautors Gianni Rodari und demonstrierte exemplarisch im Anschluss des Vortrages wie phantasievolle Geschichten für Kinder auch mit Hilfe verschiedener Übungen entstehen können.

Christophe Erbes, Autor und Medienberater mit Fokus auf inhaltliche Strategien insbesondere für Animation und Familienprogramm, beriet die Teilnehmer der Akademie zu gezielten Netzwerkstrategien und erfolgreicher Projektbewerbung und gab individuelle Anregungen zu möglichen Partnern für die Weiterentwicklung und Realisierung der Projekte.

Werkstattgespräche und Vorträge externer Fachleute aus der Branche

Regelmäßige Feedbackrunden mit allen Teilnehmern sowie Werkstattgespräche mit eingeladenen Autoren, Regisseuren und Produzenten geben fächerübergreifende Impulse. So sprachen beispielsweise Autor und Regisseur Eckart Fingberg über die Entstehungsgeschichte der Kinderserie Der kleine Ritter Trenk nach der Bestseller-Buchvorlage von Kirsten Boie, die erfolgreiche holländische Kinderfilmproduzentin Leontine Petit über ihre Perspektiven bei der Entwicklung und Umsetzung von Kinderfilmstoffen und zusammen mit Egoli Tossell Producerin Dorothe Beinemeier über ihr zukünftiges Vorhaben – der Firmengründung von Hamsterfilm, einer auf den Kinder- und Familienspielfilm ausgerichteten Filmproduktionsfirma mit Niederlassung in Halle an der Saale.

Des Weiteren veranschaulichte Armin Prediger, seit über 13 Jahren als Autor und Headwriter tätig, wesentliche Arbeitsschritte und -phasen bei der Entwicklung von Animationsfilmen. Im Gespräch mit Studienleiter Thomas Hailer berichtete der israelische Autor und Musiker Assaf Gavron (Romanautor von Ein schönes Attentat und Alles Paletti) über die Mitarbeit am vielfach ausgezeichneten Computerspiel Peace Maker.

Weiterhin erläuterte der preisgekrönte Autor für Film, TV und plattformübergreifende Inhalte sowie Executive Producer von Inhalten für digitale Plattformen, Sean Coleman, im Round Table „Writing for Digital Media and Cross-Platform Storytelling“ seine eigene Definition von ‚Interactive Storytelling‘. Er sprach außerdem über die Bedeutung ‚echter‘ Interaktion, das Verschmelzen von Arbeitsprozessen und die Bedeutung von Transmedia für die Erschaffung einer umfangreichen Geschichten-Welt.

Ergänzt wurde das Akademieprogramm von einer Reihe informativer Vorträge und Seminare. Im Vortrag „Spaß, Spannung und Symbolisches“ erläuterte Dr. phil. Elke Schlote, freie Mitarbeiterin am Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) beim Bayerischen Rundfunk, wie 3- bis 13-Jährige fiktionale Programme rezipieren und was sie im Kinderfernsehen suchen. Game-Designerin Martha Friedrich demonstrierte anhand eines Nintendo Flash Games aus der UFA Lab Produktion wie interaktive Serviceangebote und Produkte entstehen und welche Rolle der User und die Marktforschung in der Entwicklung spielen.

Kooperationen mit externen Partnern

Kooperationen mit externen Partnern auf der Basis konkreter Projekte bieten den Teilnehmern einen umfassenden Einblick in die Praxis. Ziel ist es dabei, Arbeitsweisen unter realistischen Bedingungen zu erfahren und zu vertiefen, wobei die Realisierung der entwickelten Ideen möglich ist, jedoch nicht im Vordergrund steht.

Die Zusammenarbeit mit dem KI.KA, welche seit 2006 fester Bestandteil der Akademiearbeit ist, wurde auch in diesem Jahr fortgesetzt. Alle Akademieteilnehmer hatten die Möglichkeit, im Rahmen des Akademie-Praxis-Netzwerks an aktuellen KI.KA-Projekten zu arbeiten. Unter Anleitung des stellvertretenden Programmgeschäftsführers und Leiters der Redaktion Fiktion & Programmakquisition Sebastian Debertin entwickelten die Teilnehmer der Gruppe ANIMATIONSSERIE Folgen für die Kinderzeichentrickserie Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab? Teilnehmer der Gruppe INTERAKTIVE & CROSSMEDIALE INHALTE erhielten die Möglichkeit, die crossmedialen Potentiale der Serie auszuloten. Die Teilnehmer der Gruppe SPIELFILM schrieben mit Unterstützung des verantwortlichen Redakteurs Stefan Pfäffle Treatments für die Reihe KRIMI.DE.

Einen ganz besonderen Praxisbezug stellte schließlich ein Besuch der Autoren in verschiedenen Erfurter Schulklassen dar. Dort hatten die Autoren die Möglichkeit, sich mit Erfurter Grundschülern und Gymnasiasten über ihre Projekte auszutauschen und die unmittelbaren Reaktionen der Kinder im jeweiligen Zielgruppenalter zu beobachten.

Raum für Kreativität und Strategien für den Autorenalltag

Auch die allgemeine kreative Weiterentwicklung der Teilnehmer erhält in der Akademie Raum. Alle Teilnehmer nahmen an einem zweitägigen Improvisationstraining teil, das von Billa Christe und Ramona Krönke, Ensemblemitglieder der Berliner Improvisationstheatergruppe Die Gorillas, geleitet wurde. Die Improvisationsübungen trugen dazu bei, Figuren bewusster und eigenständiger wahrzunehmen und so über die Körperarbeit neue Einsichten für Figurenkonstellation und Handlung zu gewinnen.

Ein wichtiger Bestandteil der Akademie sind Informationsvorträge zur Vertragsgestaltung und zu Fördermöglichkeiten in Deutschland sowie eine intensive Vorbereitung auf das Pitching. Katharina Uppenbrink, Geschäftsführerin des Verbandes Deutscher Drehbuchautoren, und Medienjurist Malte Behrmann vermittelten wichtige Grundlagen zur Vertragsgestaltung. Über Fördermöglichkeiten von Medienprojekten für Kinder in Deutschland informierten Britta Marciniak und Dana Messerschmidt von der Mitteldeutschen Medienförderung sowie Brigitta Manthey von Medienboard Berlin-Brandenburg.

In Vorbereitung auf das Pitching wurden die Autoren bereits in der Einführungs- und Qualifizierungswoche sowie in der letzten Workshopwoche von Flying Moon Geschäftsführerin und Produzentin Roshanak Behesht Nedjad unterstützt.

Partner

Die Akademie für Kindermedien 2010/2011 ist ein Projekt des Fördervereins Deutscher Kinderfilm e.V. und wurde von der Mitteldeutschen Medienförderung (MDM), Medienboard Berlin-Brandenburg (MBB), dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), der Thüringer Staatskanzlei, der Thüringer Landesmedienanstalt, der Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen sowie dem KI.KA, dem Kinderkanal von ARD und ZDF, gefördert.