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Das war die Akademie für Kindermedien 2009/10
Die Akademie für Kindermedien berät und fördert Autoren und Entwickler bei ihrer Arbeit an eigenen Projekten für ein junges Publikum. In einer Mischung aus individueller Beratung, umfangreichen Begleitveranstaltungen und spannenden Kooperationsprojekten schafft sie für Kreative eine besondere Plattform, um sich auszutauschen, gegenseitig zu inspirieren und so anspruchsvolle Konzepte für markttaugliche Kinder- und Jugendmedienprojekte zu entwickeln. Dabei richtet sie sich an professionelle Autoren und Entwickler sowie Nachwuchstalente.
Die Projekte kommen aus drei verschiedenen Bereichen und werden in drei Gruppen besprochen und entwickelt: SPIELFILM, ANIMATIONSSERIE sowie INTERAKTIVE & CROSSMEDIALE INHALTE. In den jeweiligen Gruppen erhalten die Teilnehmer projektbezogene und individuelle Beratungen. Den Bereich SPIELFILM betreute dieses Jahr die Dramaturgin Nicole Kellerhals, die Gruppe ANIMATIONSSERIE leitete der Autor und Zeichner John Chambers. Im Bereich INTERAKTIVE & CROSSMEDIALE INHALTE beriet der britische Producer für Cross-Media-Formate Paul Tyler die Autoren. Ein Durchgang der Akademie umfasst vier einwöchige Module, die insgesamt einen Zeitraum von sechs Monaten abdecken. Eine Einführungs- und Qualifizierungswoche bietet den Blick über den Tellerrand hinaus.
Einführungs- und Qualifizierungswoche
Bereits in der Einführungs- und Qualifizierungswoche in Eyba erhalten die Teilnehmer einen ersten fächerübergreifenden Einblick. In diesem Jahr erhielten dort 19 Autoren die Möglichkeit, ihre Projektvorschläge in Einzelgesprächen mit der Studienleitung und den Mentoren aller drei Fachgebiete zu diskutieren. Ergänzende Seminare und Vorträge vermittelten einen Überblick über den aktuellen Stand und die gegenwärtigen Trends der audiovisuellen, digitalen und interaktiven Kindermedien. So informierte Studienleiterin Margret Albers über die aktuelle Situation auf dem Kinderfilm- und Fernsehmarkt in Deutschland. Redakteur und stellvertretender Leiter der Redaktion Fiktion Stefan Pfäffle gab eine Übersicht über das Profil des Kindersenders. Studienleiter Greg Childs und Game Entwickler Jan Dérer sprachen über Trends und Tendenzen auf dem nationalen und internationalen Games- und Edutainment-Markt. Mentor der Gruppe ANIMATIONSSERIE John Chambers übte mit den Teilnehmern das Handwerk des Schreibens für Animation. SPIELFILM-Mentorin Nicole Kellerhals fasste in einem ergänzenden Vortrag unterschiedliche Erzählformen im Kinderfilm zusammen und analysierte diese an einem praktischen Filmbeispiel. Paul Tyler, Mentor der Gruppe INTERAKTIVE & CROSSMEDIALE INHALTE, vermittelte mit einem Simulationsspiel die Grundlagen interaktiven Denkens. Die gesamte Woche unterstreicht den interdisziplinären Ansatz der Akademie und dient als Horizonterweiterung – der klassische Autor erfährt mehr über interaktive Medien und Games; umgekehrt lernen Entwickler etwas über die Bereiche Spielfilm und Animationsserie.
Spartenübergreifende Vorträge aus dem Netzwerk der Akademie
In den darauf folgenden vier Workshopwochen der Akademie steht nicht nur die intensive Beschäftigung mit den einzelnen Projekten innerhalb der drei Fachgruppen im Vordergrund. Neben der Arbeit in den einzelnen Gruppen vermittelt das Mentorenteam in Form von Vorträgen auch Disziplinen übergreifendes Wissen. So erörterten Nicole Kellerhals (SPIELFILM) und John Chambers (ANIMATIONSSERIE) grundlegende Etappen einer Heldenreise und stellten die vielfältigen Möglichkeiten bei der Entwicklung von Charakteren dar. Zahlreiche Filmbeispiele und Filmanalysen veranschaulichten das theoretische Gerüst. In seinem Vortrag Augmented Reality – The difference between windows and mirrors – How augmented reality is allowing us to see beyond the screen stellte Paul Tyler, Mentor der Gruppe INTERAKTIVE & CROSSMEDIALE INHALTE, Beispiele von „augmented reality”, vor. Und sprach über die faszinierenden Möglichkeiten, die diese Technik – eine Verschmelzung virtueller Projektionen mit realen Umgebungen – auch für Autoren bietet.
Mit der Thematik Genre in Film, Games und interaktiven Medien setzten sich wiederum Nicole Kellerhals, Mario Giordano (AKM Berater und Autor) und Grit Schuster (Alumni und Interaction Designerin) in einem weiteren Vortrag auseinander. Ausgehend von seinem Ursprung, betrachteten sie den Begriff des Genres in seinem dramaturgisch erzählerischen Kontext sowie in seiner Anwendung in den einzelnen Bereichen. Grit Schuster konzentrierte sich dabei auf dem Begriff des Genres bei digitalen Spielen und digitalen interaktiven Medien, während Mario Giordano das Beispiel des Thrillers und Krimis näher unter die Lupe nahm.
Werkstattgespräche und Vorträge externer Fachleute aus der Branche sowie öffentliche Expertengespräche an Thüringer Hochschulen
Regelmäßige Feedbackrunden mit allen Teilnehmern sowie Werkstattgespräche mit eingeladenen Autoren, Regisseuren und Produzenten geben fächerübergreifende Impulse. So sprach beispielsweise Autor und Regisseur Eckart Fingberg über die Entstehung und Umsetzung des Projekts Jasper und das Limonadenkomplott, die erfolgreiche holländische Kinderfilmproduzentin Leontine Petit über Prinzipien bei der Entwicklung und Umsetzung von Kinderfilmstoffen.
Ergänzt wird das Akademieprogramm mit einer Reihe informativer Vorträge und Seminare. In seinem Vortrag Playmobil lives everywhere:one brand – different channels sprach Axel von Maydell, Geschäftsführer des Berliner Entwicklers Morgen Studios, über den erfolgreichen Sprung eines Kinderzimmerklassikers in die digitale Spielewelt und stellte das neue Online Rollenspiel von Playmobil vor. Des Weiteren gab Claudia Wegener, Professorin für Medienwissenschaft HFF Potsdam Babelsberg, einen Überblick über ihre Studie Kinder als Kinozuschauer. Armin Prediger, seit über 13 Jahren als Autor und Headwriter tätig, erläuterte für die Teilnehmer der diesjährigen Akademie wesentliche Arbeitsschritte und -phasen bei der Entwicklung von Animationsfilmen.
Die öffentlichen Expertengespräche an Thüringer Hochschulen, die bereits in den letzten Jahren das Workshop-Programm bereicherten und gleichzeitig die Arbeit der Akademie in der Öffentlichkeit vorgestellt hatten, konnten auch in diesem Jahr in Kooperation mit der Fachhochschule Erfurt fortgeführt werden. In einer Vortragsreihe über Interactive Storytelling sprach Neil Richards, Autor und Produzent zahlreicher BBC Produktionen und mittlerweile auch im Bereich Interaktive Medien, Games und iTV tätig, über seine Erfahrungen in der Arbeit für beide „Seiten”. Ulrike Spierling, Professorin für Mediendesign an der FH Erfurt, referierte über Interactive Storytelling auf Basis von digitalen Agenten.
Kooperationen mit externen Partnern
Zusätzliche Kooperationen mit externen Partnern auf der Basis konkreter Projekte bieten den Teilnehmern einen umfassenden Einblick in die Praxis. Ziel ist es dabei, Arbeitsweisen unter realistischen Bedingungen zu erfahren und zu vertiefen, wobei die Realisierung der entwickelten Ideen möglich ist, jedoch nicht im Vordergrund steht. In diesem Akademiejahr wurde die Zusammenarbeit mit dem KI.KA, welche seit 2006 fester Bestandteil der Akademiearbeit ist, erweitert. Erstmals hatten alle Akademieteilnehmer die Möglichkeit, im Rahmen des Akademie-Praxis-Netzwerks an aktuellen KI.KA-Projekten zu arbeiten. Unter Anleitung des stellvertretenden Programmgeschäftsführers und Leiters der Redaktion Fiktion Sebastian Debertin entwickelten die Teilnehmer der Gruppe ANIMATIONSSERIE Folgen für die Kinderzeichentrickserie Zoés Zauberschrank. Die Teilnehmer der Gruppe SPIELFILM schrieben mit Unterstützung des verantwortlichen Redakteurs Stefan Pfäffle Treatments für die Reihe Krimi.de. Teilnehmer der Gruppe INTERAKTIVE & CROSSMEDIALE INHALTE erhielten die Möglichkeit, die crossmedialen Potentiale beider Marken auszuloten. Einen ganz besonderen Praxisbezug stellte schließlich ein Besuch der Autoren in einer Kindertagesstätte und in verschiedenen Erfurter Schulklassen dar. Dort hatten die Autoren die Möglichkeit, sich mit Erfurter Vorschulkindern, Grundschülern und Gymnasiasten über ihre Projekte auszutauschen und die unmittelbaren Reaktionen der Kinder im jeweiligen Zielgruppenalter zu beobachten.
Wissenswertes zu Förderung, Verträgen, einen guten Pitch und Raum für Kreativität
Die Akademie bietet ebenfalls Raum zur allgemeinen kreativen Weiterentwicklung. Auch in diesem Jahr nahmen alle Teilnehmer an einem zweitägigen Improvisationstraining teil, das von Billa Christe sowie Thomas Chemnitz, Ensemblemitglieder der Berliner Improvisationstheatergruppe Die Gorillas, geleitet wurde. Die Improvisationsübungen trugen dazu bei, Figuren bewusster und eigenständiger wahrzunehmen und so über die Körperarbeit neue Einsichten für Figurenkonstellation und Handlung zu gewinnen.
Ein wichtiger Bestandteil der Akademie sind auch aktuelle Informationsvorträge zur Vertragsgestaltung, Fördermöglichkeiten in Deutschland und eine intensive Vorbereitung auf das Pitching. Katharina Uppenbrink, Geschäftsführerin des Verbandes Deutscher Drehbuchautoren, sprach in einem Blockseminar über die aktuelle Situation der Drehbuchautoren in Deutschland und vermittelte wichtige Grundlagen zur Vertragsgestaltung. Über Fördermöglichkeiten von Medienprojekten für Kinder in Deutschland informierten Britta Marciniak und Mario Fischer von der Mitteldeutschen Medienförderung sowie Rangeen Horami von dem Medienboard Berlin-Brandenburg. In Vorbereitung auf das Pitching wurden die Autoren bereits in der Einführungs- und Qualifizierungswoche sowie in der letzten Workshopwoche von Flying Moon Geschäftsführerin und Produzentin Roshanak Behesht Nedjad unterstützt.
Partner
Die Akademie für Kindermedien 2009/2010 ist ein Projekt des Fördervereins Deutscher Kinderfilm e.V. und wurde von der Mitteldeutschen Medienförderung (MDM), dem Medienboard Berlin-Brandenburg (MBB), dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), der Thüringer Staatskanzlei, der Thüringer Landesmedienanstalt, der Thüringer Aufbaubank, der Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen sowie dem KI.KA, dem Kinderkanal von ARD und ZDF, gefördert.
