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Das war die Akademie für Kindermedien 2007/08
Die Akademie für Kindermedien schafft eine einzigartige Umgebung für Kreative aus den Bereichen TV-Serie, Spielfilm und interaktive Medien, in der eigene Projektideen vorangebracht werden können. Dabei richtet sie sich an interaktive Spiel- und Lernsoftwareentwickler, erfahrene Autoren sowie Redakteure, die sich mit der Entwicklung von Medien für Kinder auseinandersetzen oder ihre bereits gemachten Erfahrungen auf diesem Gebiet intensivieren möchten. Ein Durchgang der Akademie umfasst einen mehrtägigen Einführungs- und Qualifizierungsworkshop sowie vier einwöchige und aufeinander aufbauende Module in einem Gesamtzeitraum von sechs Monaten. In allen drei Sparten durchlaufen die Teilnehmer projektbezogene und individuelle Beratungen.
Den Bereich Spielfilm betreute in diesem Jahr erneut die Dramaturgin Nicole Kellerhals, die Gruppe TV-Serie leitete wie auch letztes Jahr der Autor Mario Giordano. Im Bereich Interaktive Medien beriet der britische Producer für Cross-Media-Formate Paul Tyler die Autoren.
Einführungswoche im Schlosshotel Eyba
Leitgedanke der Akademie ist die Vernetzung kreativer Köpfe Deutschlands in einem interdisziplinären Arbeitsumfeld und die Entwicklung anspruchsvoller Konzepte, die zu markttauglichen Kinder- und Jugendmedienprojekten führen. Nach diesem Ansatz war bereits die Einführungs- und Qualifizierungswoche in Eyba gestaltet, bei der in diesem Jahr 20 Autoren die Gelegenheit erhielten, ihre Projektvorschläge in Einzelgesprächen mit der Studienleitung und den Mentoren aller drei Fachgebiete zu diskutieren. Ergänzende Seminare und Vorträge vermittelten einen Überblick über den aktuellen Stand und die gegenwärtigen Trends der audiovisuellen, digitalen und interaktiven Kindermedien. Die Erkenntnis, dass es sich lohnt, bereits in einer frühen Entwicklungsphase den Blick über den Tellerrand zu wagen und crossmedial zu denken, war einer der Kerngedanken der ersten Workshoptage in Eyba.
Werkstattgespräche
In den vier Arbeitswochen der Akademie steht nicht nur die intensive Beschäftigung mit den einzelnen Projekten innerhalb der drei Fachgruppen im Vordergrund. Regelmäßige Feedbackrunden aller Teilnehmer sowie Werkstattgespräche mit eingeladenen Autoren geben fächerübergreifende Impulse. Hier stehen bereits realisierte Projekte oder Projekte, die in absehbarer Zeit realisiert werden, auf der Tagesordnung, beispielsweise die für den deutschen Filmpreis nominierte X Filme Kinoproduktion Max Minsky und ich, dessen Drehbuchautorin Holly-Jane Rahlens in Erfurt zu Gast bei der Akademie war. Es fand ein Gespräch mit Bettine von Borries und Achim von Borries über ihr Drehbuch zur X Filme Animation Die drei Räuber statt, und Dr. Barbara Lippe, Art Direktorin der Avaloop IT Solutions GmbH, stellte ihr neustes Projekt, die Online Society Plattform Papermint, vor. Christoph Darnstädt gab einen Einblick in seine Arbeit als TV-Serienautor und diskutierte mit den Teilnehmern über Serien-Trends und die Arbeitsbedingungen in der Serienproduktion.
Informationsveranstaltungen und Seminare
Darüber hinaus wird das Akademieprogramm mit einer Reihe informativer Vorträge und Seminare ergänzt. Den Anfang machte Grit Schuster, Software-Entwicklerin und ehemalige Teilnehmerin der Akademie für Kindermedien 2006/2007. In einem einführenden Vortrag gab sie einen geschichtlichen Abriss über die Entwicklung von Games sowie einen Überblick über die verschiedenen Games-Genres und präsentierte eine Auswahl von Konsolen und Spielen, die die Teilnehmer im Anschluss selbst ausprobieren konnten. Zum Themenbereich Zuschauerpsychologie konnte der Engländer Gary Pope als Gastdozent gewonnen werden, ein Experte für Kindheits- und Entwicklungsforschung sowie Gründer von Kids Industries, einer Schnittstelle zwischen Markt und Familie. In Kooperation mit dem Verband Deutscher Drehbuchautoren sprach Geschäftsführerin Katharina Uppenbrink in einem Blockseminar über die aktuelle Situation der Drehbuchautoren in Deutschland und vermittelte wichtige Grundlagen zur Vertragsgestaltung. Über Fördermöglichkeiten von Medienprojekten für Kinder in Deutschland informierte Britta Marciniak von der Mitteldeutschen Medienförderung.
Öffentliche Veranstaltungen und Kooperation mit Universitäten
Die öffentlichen Expertengespräche an Thüringer Hochschulen, die bereits letztes Jahr das Workshop-Programm bereichert und gleichzeitig die Arbeit der Akademie in der Öffentlichkeit vorgestellt hatten, konnten auch in diesem Jahr in Kooperation mit der Bauhaus-Universität Weimar sowie der Fachhochschule Erfurt fortgeführt werden. Dabei wurden die Vorträge in diesem Jahr noch stärker an Schwerpunkten ausgerichtet und interdisziplinär besetzt. In einer öffentlichen Vorlesung an der Fachhochschule Erfurt zum Thema Storytelling - Grundlagen des Erzählens in Spielfilm, TV-Serie und interaktiven Medien referierten die Mentoren Nicole Kellerhals und Mario Giordano gemeinsam mit Neil Richards, Autor für interaktive Medien und Games. Eine ebenfalls interdisziplinäre Vorlesung zum Thema Genre fand an der Weimarer Bauhaus-Universität statt. Neben den beiden Mentoren für Spielfilm und TV-Serie stellte Informationsarchitektin und User Experience Beraterin Aoife Ni Mhorain ein Regelwerk vor, das für den Bereich Interface ähnliche Bedeutung hat wie im Film das Konzept des Genres. In Kooperation mit der Fachhochschule Erfurt fand ein Expertengespräch vor Ort in der Akademie für Kindermedien statt: Ulrike Spierling, Professorin für Mediendesign, berichtete aus der Forschung zum Interactive Digital Storytelling, einer digitalen Synthese aus Geschichtenerzählen und Computerspielen.
Praxisbezug und Kooperationsprojekte
Zusätzliche Projekte mit externen Partnern bieten den Teilnehmern einen frühzeitigen Praxisbezug. So arbeiteten die Autoren der Gruppe TV-Serie auch in diesem Jahr eng mit dem KI.KA zusammen. Unter Realbedingungen und betreut von der verantwortlichen Redakteurin des Kinderkanals, Tina Sicker, konnten die Autoren das Erstellen einzelner Folgen für die fiktionale Serie Krimi.de erproben. Die Gruppe Interaktive Medien und die Gruppe Spielfilm arbeiteten in diesem Jahr gemeinsam mit einem neuen Praxispartner, Vision Kino, an Ideenskizzen für interaktive Anwendungsmodule zur Filmbildung.
In Kooperation mit der Bauhaus-Universität und der Fachhochschule Erfurt werden auch Studierende eng in die Arbeit der Workshops einbezogen. In diesem Jahr unterstützte ein Student des Studiengangs Angewandte Informatik der Fachhochschule Erfurt die Projekte der Interaktiven Gruppe mit seinem technischen und kreativen Know-how.
Einen ganz besonderen Praxisbezug stellte ein Besuch der Autoren in einer Kindertagesstätte und verschiedenen Erfurter Schulklassen her. Dort hatten die Autoren die Möglichkeit, sich mit Erfurter Vorschulkindern, Grundschülern und Gymnasiasten über ihre Projekte auszutauschen. Jeweils zwei Schulstunden standen den Autoren zur Verfügung, in denen sie unmittelbare Reaktionen der Kinder im jeweiligen Zielgruppenalter sammeln und gemeinsam mit den Kindern über ihre Projekte diskutieren konnten.
Kreative Weiterentwicklung
Neben den vielfältigen Möglichkeiten für Information und Weiterbildung soll die Akademie vor allem auch Raum zur kreativen Weiterentwicklung bieten. In der Vergangenheit wurden u.a. praktische Workshops zur Drehbuchaufstellung und zur Visualisierung von Filmstoffen nach der Play of Life-Methode angeboten. In diesem Jahr nahmen die Teilnehmer an einem zweitägigen Improvisationstraining teil, das von Mignon Remé, Theaterschauspielerin und Leiterin der Improvisationstheatergruppe hidden shakespeares, sowie Thomas Chemnitz, Ensemblemitglied der Berliner Improvisationstheatergruppe Die Gorillas, geleitet wurde. Die Improvisationsübungen trugen dazu bei, Figuren bewusster und eigenständiger wahrzunehmen, um daraus neue Einsichten für Figurenkonstellationen und Handlung zu gewinnen. In der Vorbereitung auf das Pitching wurden die Autoren in diesem Jahr von Flying Moon Geschäftsführerin und Produzentin Roshanak Behesht Nedjad unterstützt.
